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  1. #1
    Benutzerbild von enasnI
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    Kritiken und Reviews

    Dieser Thread soll in Zukunft dazu dienen, den "Welche CD habt ihr euch gerade gekauft"-Thread zu ersetzen. Der Gedanke dahinter ist es, dass es für einen Sticky-Thread doch viel interessanter ist, den Usern Informationen zu den CDs bieten zu können. Über den anderen Thread erfährt man zwar, wer welche Musik hört und wie viel CDs er sich so kauft, nur fehlt es dort an Informationsgehalt. Todesfee steht es natürlich frei, seine sehr umfangreichen Reviews weiterhin in den Hardcore-Thread zu posten.


    Folgende Regeln und Hinweise gelten für diesen Sticky-Thread:

    • Es sollten hier nur Kritiken oder Reviews gespostet werden, themenfremde Postings werden von den Moderatoren entfernt.
    • Besteht Diskussionsbedarf, kann gerne im Forum ein neuer Thread eröffnet werden und der Ersteller des Reviews oder ein Moderator wird dann einen Link zu diesem in das Review oder die Kritik einfügen.
    • Das Review sollte mehr als nur ein Paar Sätze umfassen. Was zu wenig ist, muss wohl von Fall zu Fall entschieden werden.


    Ergänzungen vorbehalten, viel Spaß.







  2. #2
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    Schandmaul - Mit Leib Und Seele
    (VÖ: 31.03.2006)



    Tracklist:
    01. Vor der Schlacht
    02. Lichtblick
    03. Kein Weg zu weit
    04. Abschied
    05. Feuertanz
    06. Die Tür in mir
    07. Das Mädchen und der Tod
    08. Der Untote
    09. Zauber der Nacht
    10. Mitgift
    11. Wolkenberge
    12. Dunkle Stunde
    13. Grosses Wasser
    14. Der Poet
    15. Das Spiel
    16. Käptn Koma
    17. Wie sie ist

    Zwei Jahre ist es nun schon her, dass Schandmaul mit dem Album "Wie Pech & Schwefel" neue Wege beschritten. Rockiger sollte der klang werden, weg von dem Folk-Klischee. Damals ist es ihnen gut gelungen, und auch mit "Mit Leib Und Seele" haben die sechs Mittelalterrocker aus München und Umgebung saubere Arbeit geleistet.

    Beim Auspacken des Digipacks fällt sofort die untypische Covergestaltung auf, die schon für "Wie Pech & Schwefel" stand. Auch auffallend: Die Platzierung des Booklets. Nach kleiner Fummelei hat man endlich das kleine Büchlein aus dem Papprahmen rausbekommen und kann die schönen Artworks bestaunen, die thematisch immer mit dem jeweiligen Liedtext harmonieren.
    Doch nun zu den Songs:

    Schon der Opener Vor der Schlacht läutet das Album Schandmaul-typisch mit Drehleier ein. Nach ein paar Sekunden setzen E-Gitarre und Schlagzeug ein, und damit wird eigentlich der durchgehende Sound des Albums vermittelt. Lindner leistet hier sowohl Gesangstechnisch als auch mit den Riffs gute Arbeit. Das Lied erinnert spätestens mit dem Refrain stark an Der Tyrann.
    Genauso verhälts es sich mit Der Untote.
    Weiter gehts mit Lichtblick. Zu Anfang noch Flötenklänge, entwickelt sich dieser Song zu einem waschechten Neckbreaker. Zum ersten Mal gibt es auch ein Solo von Thomas, das an manch Powermetalstück erinnert. Großes Kino.
    Das nächste Lied war ja schon auf der EP und daher dürften es schon einige Leute kennen. Auffallend ist die Prägung der Strophen durch den Bass und später durch den sparsamen Einsatz der E-Gitarre. Im Refrain kommt dann wieder voll und ganz der Rocksound zum Ausdruck. Sowieso ist Kein Weg Zu Weit herrlich zum Mitsingen geeignet.
    Die beiden echten Ballade des Albums, Abschied und Dunkle Stunde , wartet im Stile von Kalte Spuren auf. Im krassen Gegensatz zu den anderen Liedern wird hier eine sehr depressive Stimmung vermittelt. Gefällt mir nicht besonders, meiner Meinung nach sollten Schandmaul bei fröhlichen Hüpfliedern bleiben
    Feuertanz wiederrum ist wieder ein Stück zum Headbangen und Moshen. Sehr gut gemacht.
    Mit Die Tür In Mir wird der Höhepunkt des Albums eingeläutet. Hier stimmt einfach alles. Die Strophen sind einprägend und die Riffs sauber. Der Klang überzeugt auch. Nur das Fehlen eines echten Refrains trübt etwas. Trotz allem bleibt dieser Titel sofort im Ohr hängen.
    Typisch für Schandmaul sind auch die instrumentalen Lieder. Mit
    Waldgeflüster oder Sturmnacht haben die Jungs und Mädels schon bewiesen, dass sie es draufhaben. Genauso verhält es sich mit Das Mädchen Und Der Tod und Käpt'n Coma. Beide verleiten zum Tanzen und stehen wieder verstärkt für den Urpsrung Schandmauls, dem Folk.
    Ein echtes Liebeslied darf natürlich in keinem Schandmaul Album fehlen, und so kommt es mit Zauber Der Nacht zu romatischen Klängen. Zwar schön gemacht, kann es jedoch nicht mit dem schönsten Liebeslied aller Zeiten ( ), Dein Anblick, mithalten.
    Das Antiliebeslied folgt auch sogleich mit Mitgift, in dem es um den Mord an der Partnerin geht. Gefällt mir eher weniger. Die Melodie ist jedoch einprägend und wieder gut zum Hüpfen geeignet
    Ein herrliches Mitsinglied folgt wiederrum mit Wolkenberge. Der Refrain begeistert beim ersten Hören. Grosses Wasser ist ein ruhiges Lied. Auffallend ist das Fehlen der E-Gitarre. Sanfte Klänge werden hier duch die Akustikgitarre und die Drehleier angeschlagen. Selbst das Schlagzeug hält sich zurück. Komischerweise erinnert mich das Lied stark an die Stücke von Reinhard Mey
    Der Poet erinnert vom Klang her an Stücke wie Der Spion oder Lieder von Alben wie Wahre Helden und Von Spitzbuben & Halunken. Der verspielte Sound gefällt sofort.
    Das Spiel behandelt thematisch das Schachspiel. Fällt ansonsten nicht aus dem Rahmen und lässt sich mit den andere rockigen Liedern gut vergleichen.
    Mit Wie Sie Ist schließt das damit 17 Titel umfassende Album. Der Text steht hier im Vordergrund und fungiert damit schön als Ausklang.

    Abschließend lässt sich sagen, dass Schandmaul hier wieder solide Arbeit geleistet hat und mit vielen Stücken, die sofort in Erinnerung bleiben, ihr Repertoire für ihre Konzerte erweitert hat.
    Für mich persönlich konnte es zwar nicht "Narrenkönig" und "Wahre Helden" übertreffen, jedoch lässt es sich gut in die Sammlung einfügen.


    Ich bin dagegen. Was hab ich gerade gesagt? Was kümmert mich mein Geschwätz von eben! Ich bin dafür, ich sag "Ja"!

  3. #3
    palandir
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    Circus Maximus - The 1st Chapter
    (VÖ: irgendwann 2005)
    Progressive Metal aus Norwegen (eine Raritaet)



    Track List:
    1. Sin (5:53)
    2. Alive (5:38)
    3. Glory of the Empire (10:27)
    4. Biosfear (5:22)
    5. Silence from Angels Above (4:07)
    6. Why Am I Here (6:05)
    7. The Prophecy (6:44)
    8. The 1st Chapter (19:08)
    9. Imperial Destruction (6:30) (exclusive bonus track for Europe)

    Total Time: 69:54

    Line-Up:
    - Mike Eriksen / vocals
    - Mats Haugen / guitar
    - Glen Mollen / bass
    - Truls Haugen / drums
    - Espen Storo / keyboards


    Meinungen zu ein paar ausgewaehlten Songs:

    "Sin" ist ein guter, aber typischer Opener, kommt ohne Intro daher, es wird gleich losgelegt mit satten Riffs und interessanter Keyboardbegleitung. Insgesamt ein solider Song, wo direkt angedeutet wird, wie das Album stilistisch werden wird, hinterlaesst einen guten Eindruck und macht Lust auf mehr.
    7/10

    "Glory Of The Empire" ist einer der beiden Epics. Ueber 10 Minuten lang, sehr stark an Symphony X angelehnt ("Accolade" und "The Odyssey" fallen ein). Faengt seicht an mit akustischer Gitarre und atmosphaerischem Keyboard-Spiel, steigert sich dann immer mehr rein. Schoener und einpraegsamer Chorus, sehr gute Performance vom Saenger. Symphonisch, monumental, episch. Ein typischer "Wow"-Song.
    10/10

    "Biosfear" direkt danach ist das (einzige) Instrumental auf dem Album. Erinnert sehr stark an Dream Theater. Koennte meiner Meinung nach laenger sein und etwas verspielter, trotzdem recht eindrucksvoll. Typisches, feines Prog-Metal-Instrumental. Nicht originell, aber gut gespielt und interessant zu hoeren.
    8.5/10

    "Silence From Angels Above" ist, wie der Name schon andeutet, die (einzige) Ballade auf dem Album, ziemlich straight-forward vom Aufbau her. Der Saenger zeigt hier, dass er auch zu ruhigen, von Akustikgitarre dominierten Songs sehr gut singen kann. Ich wuerde sagen der Song ist ziemlich stark Geschmackssache, ich finde ihn etwas zu langweilig, aber schlecht ist er trotzdem nicht, und es gibt bestimmt einige die ihn schoen finden werden.
    6/10

    "The 1st Chapter" ist das zweite Epic. Nicht viel zu sagen hier, anmachen, zuruecklehnen und eintauchen. Ein soundtrack-maessiger, toller Song, allerdings: 19 Minuten lang und man hat danach trotzdem immer ein "Moment, das war's schon?"-Gefuehl -- es fehlen ein paar wirklich markante Stellen oder Ueberraschungen, daher 1 Punkt Abzug.
    9/10


    Allgemein / Fazit:
    Ein sehr gelungenes Debut-Album einer vielversprechenden Band.

    Es fehlt vor allem noch etwas an Originalitaet / eigenem Stil, man hoert die Vorbilder zu sehr heraus. Szene-Kenner werden an vielen Stellen sofort an andere Bands denken muessen.
    Das Songwriting koennte ebenfalls noch ein wenig besser sein (siehe oben die Meinung zu "The 1st Chapter").

    Das Keyboard wirkt oft zu sehr im Hintergrund, da koennte man noch mehr rausholen, die Gitarre dominiert etwas zu sehr, was Metal-Fans aber wenig stoeren wird.

    Ein weiterer Fokus ist ganz klar auf den Vocals... der Saenger macht einen sehr guten Eindruck. Gut in jeder Stimmlage, klar, ausdrucksstark, und sehr anpassungsfaehig, was ihn allgemein zu einer sehr guten Wahl fuer Progressive Rock/Metal macht. Sehr angenehme Stimme. Wahrscheinlich das wichtigste Element auf dem Album.

    Die Qualitaet des Albums ist sehr gut, man hoert alles klar heraus, nichts geht unter.

    Insgesamt eine sehr gute Leistung, es wird querbeet vieles angeboten, was Fans von Symphony X und Dream Theater kennen und schaetzen. Die Band ueberzeugt sowohl melodisch als auch technisch. Der Fokus liegt mehr auf Melodik und Konsistenz als auf technischen Spielereien, aber es kommt trotzdem nichts zu kurz, das Album wird nie langweilig oder repetitiv, ich wuerde sagen sie legen da eine sehr gute Mischung hin.
    Haben das Potential, ganz gross in der Szene zu werden.

  4. #4
    Benutzerbild von Saladbowl
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    Placebo - Meds

    In Anbetracht der Qualität der Kollektion von Cover Songs die in der Special Edition der letzten, genialen Placebo Scheibe zugegen war machte mein Herz einen Satz als ich hörte man habe nun den selben Produzenten auch für den neuen Spross gewählt. Songs wie "Running Up That Hill" oder auch das Pixies Cover "Where is my mind?" bestachen mit einer Klarheit und einem Sound der nur in irgendwelchen Sphären darauf wartete von Placebo entdeckt zu werden, denn es ist einfach IHR Sound. Dieses Gefühl der Placebo-Perfektion ist auf "Meds" auch zu finden. Leider nicht in dem Maß das man sich, zumindest ich, gewünscht hatte. Alle elektronischen Pläne wurden kurzerhand über Bord geworfen und als Placebo Fan frag man sich, ob dieser Schritt nicht eine unnötige Verzögerung in einem natürlichen Entwicklungsprozess dieser Band darstellt. Dies zu diskutieren ist hinfällig. Das Kind ist in trockenen Tüchern und das Selbe kann man musikalisch auch sagen. "Meds" bietet solide Songs. Wenige sind unter dem Durchschnitt, wenige darüber. Der Rest hinterlässt einen bitteren Beigeschmack und die Frage, ob mehr drin gewesen wäre.

    Nachdem man die UK-Fans mit einem der schwachen Songs "Because I want You" abgefertigt hat schenkt man uns glücklicherweise eine der Perlen des Albums. "Song to say Goodbye" ist Placebo in Höchstform. Klares, schönes Piano, die Placebo Lyrics der Platte schlechthin (düster, verletzt, wütend, zerbrechlich) und geniales Zusammenspiel von Gitarren, Bass orchestral anmutenden Mellotron Spuren und eingängigen Drums. -Placebo in Top Form. Ein weiterer Song der diesem das Wasser reichen kann ist das traurige "Pierrot the Clown". Auch hier präsentiert sich besonders Molko in nie dagewesener Form. Auch hier lassen die orchestralen Hintergrundspuren erahnen was möglich gewesen wäre.
    Ein weiterer Song, der sich des Pianos bedient bevor er zum ersten Mal losschlägt hört auf den Namen "Broken Promise" und wird von Michael Stripe eröffnet. Schön ergänzen sich hier ähnlich wie im Opener "Meds" mit VV (Kills) die Stimmen von Molko und dem Gesangspartner.
    Das erwähnte "Meds" sowie die beiden nachfolgenden Songs "Infra Red" und "Drag" sind mehr straight forward und bilden eine nette Einheit zur Eröffnung des Albums. Alle sind sie eingängig, unverblümt und warten mit eingängigen Refrains auf. "Meds" mündet in einem furiosen Ende in dem der Song letztendlich mit der solo Akustikgitarre endet mit der er auch begonnen hat. "Infra-Red" bietet zwar ganz nette Lyrics, aber Placebo Feeling kommt nicht auf. Zu repetiv und einfallslos sind die Engländer hier. Auch will der Song gefühlsmäßig nicht an diese Stelle der Platte passen. "Drag" bietet geradlinige Gitarren mit gutem Refrain und schöner Melodie (die weis Gott welches Instrument erzeugt) mit gelegentlichem Klavir und interessantem Orgel-Sound. Solider rocker, der sofort ins Ohr geht.
    "Space Monkey" kommt als erster Song der Scheibe in düsterem Placebo Gewand daher. So recht gefallen will er trotzdem nicht. Zu monoton und selbst für jemanden der Molkos Stimme mag, zu viel Geknatsche. Ab der Hälfte kommt zumindest ein wenig frischer Wind mit Piano und dramatisch anmutendem Riff das die Monotonie durchbricht. Auch im Hintergrund sind dann wieder breitere Soundwände zu hören, die es interessant machen zu lauschen.
    Die erste Ballade "Follow The Cops Back Home" besticht durch eine schöne Gitarrenlinie, schöne Lyrics und klaren Gesang. Hewitt findet dabei an den Drums immer ein gutes Maß den Song voranzutreiben ohne die Atmosphäre zu behindern. Ab der Hälfte setzen auch hier wieder Soundkulissen ein, die wieder etwas von dem geisttaften, sphärischen einer Sleeping with Ghosts vermitteln. Schön. Für diesen, wie eigentlich alle Songs der Platte gilt Kopfhörergebot um die volle Schönheit nicht zu verpassen.
    "Post Blue" beginnt sehr ungewöhnlich mit techno-artigem Sound und wird dann vor allem von der Rhythmussektion der Band vorangetrieben. Molkos Stimme ist mit leichtem Hall belegt und der Song baut sich langsam auf um sich immer mehr zu entfalten. Ungewohntes Material, aber einfallsreich und abwechslungsreich mit blubbernden und schroffen Sounds gespickt. Ein Song mit Potential zu wachsen.
    "Because I want you" ist ein solider Rocker, der keine großen Überraschungen beinhaltet. Trotzdem nicht der schlechteste Song. (Infra-Red) Der zweistimmige Refrain und der gute overall-sound retten hier einiges.
    Mit Drum machine und Computer Sounds beginnt "Blind" bevor wieder ein Piano und Molkos Stimme einsetzen. Ähnlich wie beim bereits erwähnten "Broken Promise" bricht der Song schnell aus um danach wieder zur stillen Strophe zurückzukehren. Auch hier knötert Molko teilweise etwas zu sehr herum. Die Variationen der Melodie und des Gesangs halten die Spannung aufrecht. Generell sind die Strukturen auch hier sehr offen, mit kleinen Melodien und eingestreuten Effekten verfeinert und lassen dem Hörer Platz zu entdecken was zwischen der eigentlichen Struktur passiert.
    Es folgt "Pierrot the Clown" - Wie gesagt ein Highlight.
    "Broken Promise" - s.o.
    "One of a kind" startet wieder mit ungewöhnlichem Gitarrensound und ist erst mal repetiv bevor es in den Chorus ausbricht. Der Bass ist hier sehr prominent und gibt eigentlich die Melodie vor. Abwechslungsreich ist dieser Song wieder eher da wo man nicht zuerst sucht. Kleine Variationen in Gesang, zusätzliche Melodie und Hintergrundgeräusche machen den Unterschied. Eingängig, aber nicht aufregend.
    "In The Cold Light Of Morning" fährt den schönsten Einstieg aller Placebo songs auf. Warm, sphärisch (ich benutze das Wort erneut) mit weit entferntem Klavir und Akustikgitarre. Der Gesang auch merkwürdig belegt, aber absolut passend. Alles klingt verschlafen, "drunksick of whoring, staring back in the mirror at a face you don't recognize" - so fühlt er sich an. Ohne Frage auch eines der Highlights.
    Es folgt "Song to say Goodbye" und man wird Placebo-style aus einem Album entlassen das nicht so elektronisch ist wie man erwartet hätte und doch viel elektronischer ist als es nun plötzlich sein will. Es gibt genug starke und einige hervorragende Songs, die 4 Sterne absolut rechtfertigen. Sich teilweise in ihre Kinderschuhe zu zwängen wäre nicht nötig gewesen. Dieses Album hätte das absolute Placebo Meisterwerk sein können das die Stärken einer "Sleepig With Ghosts" mit denen einer "Without You I'm Nothing" verbunden und vereint hätte. Doch dafür sind die schwachen Momente zu deutlich und die Strukturen nicht schlüssig genug. Bleibt zu erwarten in wiefern die Songs in Form von Remixen noch auf den Kopf gestellt werden und wie lange es dauern wird bis das perfekte Album, das hier dadurch verfehlt wurde, dass man der natürlichen Entwicklung den Rücken zugewandt hat, auf sich warten lässt. Denn sicher scheint, dass Placebo mit dem aktuellen Rezept zwar erfolgreich, aber nicht auf Dauer zufrieden sein werden. Eine Platte die es wert ist gekauft und gehört zu werden und vor allem eine solche an der sich die Geister scheiden werden wenn es darum geht zu bewerten was gut und was schlecht ist...

    ---------------------

    Placebo - Soulmates Never Die (Live DVD)

    Das Placebo etwas besonderes sind dürfte außer Frage stehen. Schaut man sich die Songs an so könnte man sagen, dass sie ihre Instrumente anscheinend nicht zu gut beherrschen, da die meisten Linien wirklich wenig spektakulär sind. Besonders in Mars Volta oder Coheed and Cambria Zeiten in denen man was Komplexität angeht verwöhnt ist werden Placebos Stärken nochmal sehr offensichtlich. Sie schreiben einfach verdammt gute Songs in denen es einfach nicht darum geht irgendwem etwas zu beweisen, sondern in denen einfach nur ein Gefühl vermittelt wird. Das dabei Musikalisch nichts geboten wird hat man allerdings nicht zu befürchten. Schon gar nicht bei dieser DVD. Mit Verstärkung an Bass, Keyboard und co. zeigt die Band bei diesem Konzert ihr komplettes Potential. Sowohl musikalisch als auch emotional. Wenn in "Soulmates" Molko leidend singt, im Hintergrund Bomben zu Boden fallen, vor dem Inneren Auge Menschen auf grausame Weise sterben und synchron mit Hewitt's Schlag ein Mädchen im Publikum einen Schrei ausstößt, bevor sie sich beinahe ohnmächtig und doch kraftvoll in die Menge hinter ihr fallen lässt, dann ist die Gänsehaut auch beim 100. mal immer wieder da. Die DVD fährt solche Momente am laufenden Band auf. Die unkonventionellen Kameraeinstellungen und Schnitte vermitten ein perfektes Live Erlebnis. Mal trübt sich der Fokus, fährt zurück auf Molkos Gesicht, der in die Menge schaut und seine Gedanken und Gefühle quasi durch den Fernseher schwappen. Außerdem hat die Band einfach Spass und genießt die tobende Menge. Molkos Stimme, die Live auch ziemlich übel kingen kann spielt fast ausnahmslos mit. Außerdem sind die beiden Frontmänner beide hervorragende Entertainer. Besonders Molko scheint sich seiner selbst in jeder Sekunde bewusst und porträtiert teils diese unnahbare Figur und teils den Burschen, der einfach nur liebt was er tut.
    Die Song Auswahl ist sehr gut und besonders das Finale zusammen mit Frank Black von den Pixies mit deren Song "Where is my mind" ist nochmal perfekt gelungen. Der gelangweilte Black, der mit dem Rücken zum Publikum stehend und ohne eine Regung im Gesicht beginnt und sich fest vorgenommen hat sein "cool" zu bewahren wird nachd er Hälfte mitgerissen und blüht auf und es macht Spaß ihn dabei zu beobachten. Wahnsinns Konzert das nur einen Fehler hat - Ich war nicht dabei. Sowas passiert nicht oft und ich bin heilfroh, dass Kameras diese fantastische Show festgehalten haben. Jeder Musikfan sollte diese DVD gesehen haben. Perfekter kann eine Show wohl nicht laufen...

  5. #5
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    Die Apokalyptischen Reiter - Riders On The Storm

    Reiter-Metal



    Tracklist:

    01 Friede Sei Mit Dir
    02 Riders On The Storm
    03 Seemann
    04 Der Adler
    05 Revolution
    06 Wenn ich träume
    07 Soldaten dieser Erde
    08 In The Land Of The White Horses
    09 Liebe
    10 Schenk mir heut Nacht
    11 Himmelskind
    12 Feuer
    13 Mmmh
    14 Peace May Be With You (bonus)



    Die Apokalyptischen Reiter sind für ihr Talent bekannt, alle Genres zusammenzumixen, harten Metal reinzupacken und dann ein geniales Ergebnis zu liefern. Nicht anders verhält es sich auch mit "Riders on the Storm". Auf jedem Fall ist es glaub ich das einzige Album der Metalgeschichte, das aus recycleter Pappe besteht Das Cover ziert eins von Fuchs Gemälden. Alles in allem eine sehr gelungene Aufmachung.

    Los geht es mit dem bereits von dem von der Sampler bekannten Kracher "Friede sei mit dir", und bereits in den ersten 10 Sekunden möchte man sich am liebsten den Kopf von den Schultern bangen. Der Refrain geht direkt ins Ohr, Die Riffs und Shouts verleiten zum Pogen, eigentlich ein typisch gutes Reiterlied. Super!
    Es folgt der Titelsong "Riders on the Storm". Der Wechsel zwischen harten Riffs und Akustikgitarren verläuft so kontrastreich wie passend. Auffallend sind die geschickt gestreuten Cut-Offs in den Strophen. Gegen Ende starten die 5 Apokalyptischen Reiter nochmal voll durch, begleitet von Mandolinen erhebt sich der Track im Pferdegalopp zu einen astreinen Moshgelage. Interessant ist dass die Spuren nicht wie gewöhnlich einzeln aufgenommen und abgemischt wurden, sondern fast schon wie ein Live-Track klingt.
    Mit "Seemann" betreten die Reiter mal wieder ein neues Gebiet. Passend zu den Lyrics wird hier nämlich verstärkt auf Geigen und Akkordeon gesetzt. Bei "Der Adler" liefert dagegen einen verdammt geilen Mitsingrefrain. An sich ist das aber nix besonderes bei dieser Formation.
    "Revolution" dagegen setzt im Refrain auf Trompeten, was mich persönlich ein wenig an den Eisregen-Ableger Transylvanian Beat Club erinnert. Gepaart mit der Akustikgitarre verleiht es dem Track einen mexikanischen Touch.
    Das ebenfalls auf der Sampler enthaltene "Wenn ich träume" ist wieder ein Lied zum wohlfühlen, auf dem diesjährigen W:O:A kam ich sogar schon in den Genuß es live mitgröhlen zu dürfen :> Atemberaubender Refrain.
    "Soldaten dieser Erde" beteiligt sich an der Antikriegswelle, und sogar leise an der Antiamerikawelle. Die ernste und düstere Atmosphäre wird von dem Riff und tiefen Gesang von Fuchs gut herübergebracht, der Refrain hingegen ist hochmelodisch im Chor vorgetragen.
    Mit dem instrumentalen Stück "In The Land With The White Horses" folgt ein stilistischer Bruch mit den ersten Teil des Albums. Verträumt und beruhigend wirkt das vom peitscheschwingenden Dr.Pest geschriebene Stück auf den Zuhörer.
    Die darauffolgenden Rock-Balladen "Liebe" und "Schenk mir heut Nacht" sind geschickt platziert, zwischen den ganzen Melodic-Death Krachern hätten sie eher störend gewirkt. Mit einem eben solchigen geht es jetzt weiter: "Himmelskind". Besonders hervorzuheben ist hier die zarte Kinderstimme im Chorus. "Feuer" bietet auch schon gewohnte Kost.
    "Mmmh" hingegen ist wieder ein verträumter, leichtgängiger Track der an das Reggaestück "Lazy Day" der "Samurai" erinnert. Und as ob die Reiter nicht schon genug exotische Instrumente in ihre Metalscheibe eingebaut hätten, nimmt im späteren Teil des Liedes ein Didgeridoo (!) eine zentrale Rolle ein.

    Fazit:
    Der eingeschlagene Weg der "Samurai" wird beibehalten. Einige Musikstücke wirken etwas popig, wirklich störend wirkt das aber nicht. Auf jedenfall haben die Reiter ihr Repertoire um einige geniale Tracks erweitert.
    Allerdings wünsche ich mir beim nächsten Album dann doch mal ein wenig mehr "Back-To-The-Roots" Death/Blackmetal Stücke wie sie auf den früheren Alben vertreten waren.


    8,5/10


    Ich bin dagegen. Was hab ich gerade gesagt? Was kümmert mich mein Geschwätz von eben! Ich bin dafür, ich sag "Ja"!

  6. #6
    Benutzerbild von amitY
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    The Haunted - The dead eye



    Tracklist:

    1. The Premonition
    2. The Flood
    3. The Medication
    4. The Drowning
    5. The Reflection
    6. The Prosecution
    7. The Fallout
    8. The Medusa
    9. The Shifter
    10. The Cynic
    11. The Failure
    12. The Stain
    13. The Guilt Trip



    Wo wollen die noch hin? Bereits die Vorgängerband At the Gates ist ein Genreklassiker: Pioniere des schwedischen Melodic Death Metals und neuerdings auch berühmt als Referenzband für jede 2. Metalcoretruppe.
    The Haunted haben dann nach einem brachialen, fantastischen Debut mit "The Haunted made me do it" ein Album geschrieben, das von Musikjournalisten als legitimer Nachfolger von Reign in Blood gefeiert wurde. Dann folgte ein meiner Meinung nach ähnliches aber zu belanglos klingendes und klinisch aufgenommenes Album und dann rEVOLVEr, das gute Ansätze hatte, aber oft etwas halbgar und unentschlossen wirkte.
    Was kommt also als nächstes?
    Eine Revolution im Sound, die sich zwar bereits angedeutet hat, aber in ihrer Kompromislosigkeit überrascht, viele sicher vor den Kopf stößt und mich vollends begeistert!

    The dead eye ist vielseitiger, düsterer, bombastischer, komplexer und eingängiger als alle bisherigen The Haunted Alben, aber vorallem anders: Waren The Haunted vorher eine zwar großartige aber doch recht konventionelle Thrash-Metal-Truppe sind sie jetzt eindeutig nicht mehr kategorisierbar. Wer aber glaubt das Album sei zerrupft und chaotisch dadurch, der irrt sich. Die Band schafft es auf beeindruckende Weise unheimliche viele Stilrichtungen und Ideen mit einfliessen zu lassen, ohne das sie ihre Identität verlieren oder die Platte total inhomogen machen würden. Im Gegensatz dazu ist das gesamte Album vollkommen frei von musikalischen Ausfällen, am Stück hörbar und unglaublich stimmig. Jeder Song geht sofort ins Ohr, ohne vorhersehbar zu sein. Überall gibt es etwas zu entdecken.

    Um nur einige Highlights zu nennen:
    "The Cynic" ist, wie der Titel schon verspricht, düster und voller negativer Energie, schwankt musikalisch zwischen epischen Riffs und ruhigen aber zutiefst beunruhigenden Strophen bei denen etwas Tool und neuere Opeth durchscheinen.
    Das abschließende "The Guilt Trip" ist ein schleppendes, tiefschwarzes Groovemonster mit unverkennbaren Machine Head Einflüßen.

    Daneben gibt es natürlich immer noch typische The Haunted Uptempo Nummern, jedoch nie ohne die ein oder andere Überraschung: Von melodischen Metalsoli über fast Emoartige Passagen bis hin zu Synthiespielereien oder melodramatischen Keyboardeinsprengseln ist alles dabei und auch wenn man es nicht glaubt; Alles passt wunderbar in das Gesamtkunstwerk, nichts ist überflüssig oder gar störend.

    Mein absolutes Highlight ist jedoch "The Drowning". Das schweinegeile Hauptriff erinnert sofort an Kyuss(!), dazu gibts wunderbar hingerotztes Rock 'N' Roll Gekeife, Mitsingrefrains, kurze Slayer- und Opeth- anklänge ein kurzes Solo und natürlich Groove und Drama ohne Ende....Wahnsinn!

    Negatives gibt es für mich abschließend kaum zu sagen. Einzig das etwas uninspirierte Artwork und die komische Titelwahl (the, anyone?) fallen ganz leicht negativ ins Gewicht. Sonst gibts aber wirklich nichts zu meckern.

    Wer also keine Angst vor Genreverwischender Musik hat, die Geduld hat sich an den neuen Sound zu gewöhnen und auch mit der ein oder anderen Band folgender Liste etwas anfangen kann (Machine Head, Slayer, At the Gates, Pantera, Metallica, Tool, Opeth, Kyuss, Paradise Lost, Arch Enemy, Soilwork...) sollte hier bedenklos sofort zugreifen!

  7. #7
    Benutzerbild von hrkrueger
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    Olli Schulz & der Hund Marie - Warten auf den Bumerang



    Tracklist:

    1. In jede Richtung
    2. Wenn die Music nicht so laut wär'
    3. Keiner hier bewegt sich
    4. Unsichtbarer Vogel
    5. Schritt für Schritt
    6. Medizin
    7. Rückspiegel
    8. Wenn das Leben dich beisst
    9. Was macht man bloß mit diesem Jungen?
    10. Armer Vater
    11. Kleine Meise, großes Herz


    Ich schreibe einfach mal was zu jedem Lied. Am Ende versuch ich nen Fazit zu verfassen. Ok...Los geht´s.

    1. In jede Richtung

    Fängt still und verhalten an. Ich dachte im ersten Moment "Hm..nen stiller Song als Opener...muss eigentlich nich.." Aber dann gehts auf einmal doch los und der Song entfaltet sich im Stile von "Und dann schlägt dein Herz" und "Jetzt gerade bist du gut".
    Der Text ist weniger spaßig und reiht sich mit Zeilen wie "Wenn du stehen willst, dann steh auf, wenn du schreien willst, dann schrei laut.." eher in die "Tu was und zieh dein Ding durch-Sparte" ein, was nicht negativ zu verstehen ist.
    Insgesamt ein guter Opener, der Lust auf mehr macht.


    2. Wenn die Music nicht so laut wär'

    Der zweite Track auf der Scheibe hat echte Ohrwurm- und Mitgröhlqualitäten. Tempomäßig liegt er eher im höheren Bereich.
    Die stärke des Songs liegt eindeutig im Text, der meiner Meinung nach nen "derben Rhymestyle" hat, ähnlich wie in "Der Song ohne Grund" vom ersten Album.
    Ein Song der wirklich Spass macht beim hören.


    3. Keiner hier bewegt sich

    Der etwas andere Olli Schulz Song. Der Song besteht zum größten Teil aus elektronischen Elementen und hört sich stilmäßig wie eine Mixtur aus The Prodigy und Depeche Mode an. Nichtsdestotrotz jedoch ein gelungener Song, der, wenn man sich drauf einlässt, auch gut abgeht. (bin mal bespannt, wie er den live rüberbringt)


    4. Unsichtbarer Vogel

    Ein eher ruhiger Song. Der Bass ist das tragende Element im Song. Vereinzelt treten Gitarre und atmosphärische Klavier Melodien auf.
    Text und die vermittelte Stimmung lassen einen unwillkürlich die Denkerpose einnehmen und laden zum tagträumen ein..."Ich bin ein unsichtbarer Vogel, Ich bin ein losgelöstes Tier, Ich seh die ganze Welt im fliegen, aus wunderschönen Perspektiven"


    5. Schritt für Schritt

    Soundmäßig würde ich den Song mit "Spooky Girlfriend" von Beigen Album vergleichen, jedoch fehlt hier ein Schlagzeug. Ein reiner Akustiktrack mit begleitenden, Hund Marie typischen E-Gitarren Melodien.
    Was mir im übrigen auffällt beim Durchhören des Albums ist, dass die Texte allgemein reifer und sinniger klingen als bei den beiden Vorgängeralben.


    6. Medizin

    Die ersten Töne der Gitarre erklingen und mir ging durch den Kopf "Ah, endlich wieder nen rockiger Song".
    In der Mitte des Songs darf auch mal der gute Hund Marie alias Max Martin Schröder was sagen bzw singen.
    Zusammenfassend klingt der Song zwar ziemlich rockig, aber vermittelt unruhe.


    7. Rückspiegel

    Für mich eindeutig das Highlight des Albums und völlig zurecht erste Singleauskopplung.
    Sehr Atmosphärischer Mid-Tempo Song mit sehr gutem Text und intelligent eingesetztem Klavier.
    Ein Song zum dahinschmelzen.


    8. Wenn das Leben dich beisst

    Interessanter Songtitel, noch interessanterer Song. Beginnend mit nur einer Akustikgitarre gesellen sich später im laufe noch Bass, E-Gitarre und *aufgepasst* ein kleines Streicherorchester dazu.
    Ansonsten schwer zu beschreiben, einfach mal hören!


    9. Was macht man bloß mit diesem Jungen?

    Da man ja von Olli mittlerweile weiss das er gerne in vielen Stilrichtungen reinschnüffelt (Die Ankunft der Marsianer -> Country, Keiner hier bewegt sich -> Elektro) kommt nun noch eine Richtung dazu. Jazz/Swing. Die Inspiration hat er sich wohl bei The Cure - Lovecats geholt, der dem Song sehr ähnelt.
    Treibende Basslinie, Besenschlagzeug und etwas Gitarre - einfach zum mitgrooven. Mein Lieblingssong übrigens.


    10. Armer Vater

    sehr ernstes, trauriges Lied, bestehend aus Gitarre, Cello und Gesang, ähnlich wie "Der Film beginnt".
    Einen Gastauftritt in diesem Song hat Judith Holofernes (Wir sind Helden), die Olli ab und zu gesanglich im Hintergrund begleitet.


    11. Kleine Meise, großes Herz

    Stimmungsmäßig das absolute Gegenteil zum vorigen Song. Endlich der lang erwartete Spaßsong, der mir beim hören auch sofort ein Grinsen auf mein Gesicht brachte. Mit gewohntem Wortwitz wie z.B. "Das Hühnchen macht gack-gack und das Äffchen aff-aff, Ich fütter meinen Ohrwurm und schulter meinen Lachsack" erzählt Olli die niedliche Geschichte eine Pinguins. Einen weitere Weltneuheit in einem Ollisong -> eine Tuba. Hört´s euch mal an, klingt lustig.


    Fazit:
    "Das beige Album" war schon stark, aber mit "Warten auf den Bumerang" ist Olli noch einen Treppenstufe höher gegangen. Klangtechnisch sauberer, und textlich irgendwie Erwachsener. Musikalisch sehr abwechselungsreich und trotzdem irgendwie immer Olli Schulz-Style.

    Den Preis von 15,89€ fand ich schon etwas happig für 11 Songs. Für 18,89€ (auch nicht grad wenig) bekommt man eine Special Edition mit einer kleinen Bonus CD, auf der 8 Live-Songs zu finden sind, sowie witzige Ansagen und Linernotes.







    9/10 Punkte


    Plattengeschwafel.de - Vinylgeschichten, aber nur Gute!
    karlkante.de - Instrumentals, Beats, Samplegedöns.
    fisco-music.de - Zeitgenössische Gitarrenmusik.

  8. #8
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    Peter Gabriel - Up


    Trackliste:

    1. Darkness
    2. Growing Up
    3. Sky Blue
    4. No Way Out
    5. I Grieve
    6. The Drop
    7. The Barry Williams Show
    8. My Head Sounds Like That
    9. More Than This
    10. Signal To Noise

    Ich mach es auch mal Track fuer Track:
    1. Darkness
    Mhm, komische Geraeusche am Anfang, probiert Herr Gabriel nun etwa trance/ambient-artige Klaenge aus? Bei 00:30 kann man die Verwunderung dann allerdings wieder beiseite legen, es kommt wie gewohnt, naemlich ziemlich ungewoehnlich. Dieser fiese Frippsche Akkord auf der Gitarre haut dem geneigten Hoerer sowas von dermassen aus dem Sessel, dass man danach erst einmal die Einzelteile seines Trommelfells vom Boden zusammenkratzen muss - grossartig, grossartig! Es folgen darauf wieder ruhige Akkorde, durch die ein recht interessanter Bogen gespannt wird, der immer mal wieder durch krasse Gitarreneinsaetze zerhackt wird und mit der melancholisch-duesteren Stimmung irgendwie den Ton fuer das Album vorgibt. Interessant ist ausserdem die Tatsache, dass dieser Track als erster das Element Wasser (wie auch das Cover) lyrisch verarbeitet, was praktisch das Leitmotiv fuer das Album darstellt.

    2. Growing Up
    Dieser Track stellt eine gemaechliche Uptempo-Nummer da, die sanft anfaengt und sich im Verlauf des Liedes zu einem richtigen Dancefloor-kompatiblen Trancestueck mausert - Peter ist schon clever, denn er weiss was die Menschen bewegt Neben der 4-to-the-floor-Bassdrum wird dieses Lied von einem starken pulsierendem Rhythmus gepraegt, wobei die verwendeten Klaenge teilweise stark verzerrt und elektronisch bearbeitet daherkommen; man gewinnt den Eindruck, dass manche Percussioninstrumente nur fuer dieses Album erfunden wurden...

    3. Sky Blue
    Ah, den Anfang kennen wir doch - Silent Sorrow In Empty Boats vom grandiosen "The Lamb lies down on Broadway" laesst gruessen. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk allerdings vorbei und die "Up"-ligatorische Perciossenelemente setzen wieder ein. Dazu schmachten dicke Klavierakkorde, Peter Gabriels Stimme hat fast einen klagenden Unterton, weiss in diesem Lied aber mit den World-Music-Choeren als Unterstuetzung durchaus zu ueberzeugen. Das ganze Lied ueber dominiert mal wieder ein starker Rhythmus, Sledgehammer laesst gruessen Am Ende gibs noch eine synphonische Steigerung der Choere, dazu eine mit viel Pathos inszenierte Gitarre, bei der man vor laute Hall- und Delayfahnen kaum noch das Ursprungssignal erahnen kann. Wenn man uebrigens bei 06:36 den Volumeregler hochreisst, hoert man ein Knartschen und Bewegen im Hintergrund, genauso wie beim Schlussakkord des legendaeren "A Day in The Life" von den Beatles - gewollt Parallele oder Schlamperei bei den Aufnahmen?

    4. No Way Out
    Tolles Schlagzeugspiel von Steve Gadd, die Stimmung bleibt allerdings aehnlich ruhig und melancholisch wie in "Sky Blue", vielleicht im direkten Vergleich sogar noch etwas pessimistischer und deprimierender. Im Verlauf des Liedes gibt es immer mal wieder kleiner Tupfer der Hoffnung, wodurch die duestere Stimmung ein klein wenig gemildert wird.

    5. I Grieve
    Macht nahtlos da weiter, wo "No Way Out" aufgehoert hat. Bemerkenswert ist allerdings der Mittelteil, bei dem Peter wieder mit tranceaehnlichen Elementen spielt und dadurch einen recht netten Kontrast zu den mit Selbstmitleid geschwaengerten Akkorden davor und danach erzeugt.

    6. The Barry Williams Show
    Faengt mit einem starken Rhythmus an, bei dem ich allerdings immernoch raetsle, auf welchem Instrument er wohl eingespielt worden ist- klingt wie ne Mischung aus Synthesizer und Schlagzeug, auf jeden Fall sehr interessant. Textlich dreht es sich in diesem Stueck um das Thema Fernsehunterhaltung. Die Stimmung ist zur Abwechslung mal nicht ganz so dunkel, sondern geht eher in Richtung aetzend-sarkastischer Sozialkritik. Dieses Stueck kann durchaus begeistern und faehrt von allen Stuecken noch am ehesten auf der "Sledgehammer"-Schiene.

    7. My Head Sounds Like That
    Ist praktisch genauso gestrickt wie "Sky Blue" oder "I Grieve" - viel Rhythmus, traege Akkorde auf dem Klavier, die melancholischer Stimme von Peter.

    8. More Than This
    Dieses Lied hat ein wirklich interessantes rhytmisches Fundament, was wieder dominiert ist von diversen Instrumenten, die man als Hoerer irgendwie garnicht zuordnen kann. Tempomaessig geht es hier auch etwas flotter zugange, die Stimmung ist etwas optimistischer und weniger melancholisch.

    9. Signal To Noise
    Stellt gewissermassen den Klimax des Albums dar, die Grundstimmung wird angefettet durch Streicher und einem tollen Gesangssolo von Ayub Ogada zu einem symphonischem Grande Finale getrieben.

    10. The Drop
    Eine kleine, unbedeutende Klavierballade, die das Album schliesslich zum Abschluss bringt.

    Fazit:
    Atmosphaere: Melancholisch, deprimierend, aber mit einem Hauch von Hoffnung und Optimismus. Konsequent umgesetzt, Ausreisser gibt es praktisch keine.
    8/10
    Instrumental: Nichts bewegendes, keine besonders ueberragend komplexe arrangierte Lieder, aber qualitativ durchgehend auf hoechsten Niveau. Viele Worldmusic-Einfluesse sind eingearbeitet und gut umgesetzt worden, wodurch das Album aeusserst vielschichtig und abwechslungsreich "klingt".
    9/10
    Technische Umsetzung:
    Absolute Perfektion, wuerde ich mal sagen. Man merkt den Aufnahmen in jedem Detail an, dass der Mensch sein Handwerk versteht. Rauschen oder andere Stoergeraeusche konnte ich ausser dem kleinen Schnitzer in "Sky Blue" keine erkennen. Das Klangbild kommt sehr tief und sphaerisch daher, jedes Detail wurde absolut akribisch ausgearbeitet und perfekt abgemischt. Man merkt den Liedern an, dass Herr Gabriel fast 10 Jahre fuer die Aufnahmen gebraucht hat.
    10/10

    Insgesamt eine glatte 9 von 10, die Umsetzung der Lieder sowohl instrumental wie technisch ist auf hoechstem Niveau. Was ich allerding kritisieren muss, ist die insgesamt zu duester geratene Stimmung und die teilweise recht hohe Aehnlichkeit zwischen den Liedern. Dadurch entsteht zwar ein sehr homogenes und in sich geschlossen gut funktionierendes Album, aber bis man diese Aspekte erstmal zu schaetzen gelernt hat, werden die meisten das Album wohl wieder in den Schrank gestellt haben.

    Ich empfehle diese Scheibe jedem, der sich die Zeit nimmt, sie ganz in Ruhe alleine in einem dunklen Raum zu hoeren - es ist keine leicht verdauliche Musik und wie so oft liegt die Perle hier ziemlich tief am Grunde.
    Alle anderen sollten lieber Phil Collins hoeren

    Nachtrag 27.1.2009: Das Album hat den Test der Zeit mit Bravour bestanden. Ich werte auf 10/10 auf; die Atmosphäre ist in ihrer Eindringlichkeit kein Nachteil mehr. Perfektion eines alten Mannes.
    [center]


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    Nick Sand

  9. #9
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    stellt das bier kalt und bereitet den grill vor.

    das pornoese cover laesst den herzschlag etwas nach oben schnellen. omg teh neue caddies scheibe ist da <3 <3



    ruhiger und relaxter denn je sind die herren. die aufschrift "spirit of new orleans" laesst auf jede menge dixie-stuff schliessen. dem ist (leider) nicht so. ein reggae-cover haette hier eindeutig den inhalt besser wiedergegeben. die schlechtestens songs sind meiner meinung nach today und don't go. und riding for a fall verliert auch eindeutig den vergleich mit drinking for eleven. was solls. dennoch alles aeusserst gut geeignet um ein paar hamburger und wuerstchen auf den grill zu schmeissen, sich dabei ein oder zehn bier reinzuziehen und sich die sonne auf den bierbauch scheinen zu lassen :> wer bei without you nicht zumindest mit den fuessen wippen und mitpfeifen muss ist eh schon zu sehr in den emo-keller gerutscht und bleibt den sommer ueber auch besser dort. autofahren macht dank souls for sale auch gleich doppelt so viel spass, besonders wenn man auf dem weg zum strand ist alles in allem ein gutes album, jedoch kein zweites just one more. aber das konnte man auch nicht erwarten imo.

    ein paar songs kann man sich hier ganz legal reinziehen.

    7/10 trompeten gibts von mir.

  10. #10


    Mit "Entweder geht diese scheussliche Tapete - oder ich." haben Jupiter Jones ein Album zu Stande gebracht, das mir vom ersten bis zum letzen Lied gefällt. Gekauft habe ich mir die CD im Anschluss an das Konzert in Braunschweig und sie wanderte auch gleich in den CD-Wechsler. Ohne auch nur ein Lied mittels Next Track-Taste aus Missfallen überspringen zu müssen gingen die Lieder direkt in meinen Gehörgang und krallten sich dort fest. Schon der Opener "Alleiner" kommt so Wort- und Stimmgewaltig daher, das man denkt, dass sich das eigentlich nicht mehr steigern könnte. Eigentlich tut es das auch nicht, dafür geht es auf diesem hohen Niveau weiter. Eingängige Texte, die einem so vorkommen als seien sie aus dem eigenen Leben entrissen worden zeigen auf wie es im Leben zugeht. Dabei gleitet man aber selten in die melancholische Ecke ab, da die Songs in rockigen Rythmus gepackt wurden, der zum immer wieder hören einlädt. Mit "Oh hätt' ich dich verloren" schlägt man zudem auch mal etwas leichtere Töne an ohne dabeischmalzig zu klingen, grandioses Seelenleid auf einer sonst zum Großteil mit rockigen Liedern versehen CD.
    Die Spieldauer von 43 Minuten hat zwar keinen Award für einen Longplayer verdient, kann jedoch mit anderen Bands mithalten. Zudem ist, wie bereits erwähnt, nicht ein Lied dabei das man nicht hören möchte und kommt somit auch in den Genuss der vollen 43 Minuten.

    Anspieltipps: Alleiner, Oh hätt' ich dich verloren, Zwischen der Zeit

    Nebenan verrecken Menschen / mit jedem Atemzug ein neuer
    und wir spenden wo wir können / unser Friede ist was wert.
    Vater, Mutter hier läuft irgendwas verkehrt!

  11. #11
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    Eisregen - Blutbahnen


    Tracklist:

    1. Eisenkreuzkrieger
    2. Im Dornenwall
    3. Ein Hauch von Räude
    4. 17 Kerzen am Dom
    5. Blutbahnen
    6. Alphawolf
    7. Frischtot
    8. Schlachthaus-Blues
    9. Zurück in die Kolonie
    10. Schneuz den Kasper!



    In letzter Zeit gab es viele Veränderungen für Eisregen. 2005 stieg die Violinistin Theresa "2T" Trenks aus, im Februar diesen Jahres wurde Wundwasser indiziert und nicht zuletzt verließ erst kürzlich Daniel "DF" Föbing ebenfalls die Thüringer Fraktion. Obwohl er an Blutbahnen noch mitwirkte, merkt man deutlich, dass Eisregen den Verlust der Violine erst mal verkraften musste. Im neuen Album Blutbahnen versuchten Roth & Co, dies mit einem verlagertem Schwerpunkt zum Keyboard, speziell Piano und Strings, auszugleichen. Ob es ihnen gelungen ist?

    Zunächst einmal dröhnt uns beim einlegen der CD gute eineinhalb Minuten DF mit dem Stringkonzert Eine kleine Schlachtmusik entgegen. Der Opener und zugleich das Intro zu Eisenkreuzkrieger ist etwas gewöhnunsbedürftig und für Eisregen völlig untypisch. Schon zu Beginn dem ersten echten Song des Albums merkt man, woran sich Eisregen in diesem Album orientieren: Leisere Gitarren, lautere Pianos, lautere Drums. Das Klavier übernimmt dabei abwechselnd die Rolle des Melodieträgers und der Begleitung. Und auch eins ist neu: Roth shoutet weniger und singt mehr clean. Gerade bei Eisenkreuzkrieger, das den Kampf gegen Russland im zweiten Weltkrieg und gleichzeitig Kanibalismus thematisiert, kommt dies zur Geltung. Man merkt allerdings, dass Roth nicht gerade ein guter Sänger ist - er hat Schwierigkeiten, Töne genau zu halten. Ein zweiter Kanwulf ist eben nicht. Jedoch hat er eine schöne Stimme und vielleicht baut er diese Technik noch etwas weiter aus - zu begrüßen wäre es auf jeden fall.
    Im Dornenwall ist wiederrum ein Lied das sich wieder mehr an das letzte Album orientiert, die Sessionmusikerin sprang ein und unterstützte die Band mit der Violine. Der Sound ist daher typischer für Eisregen und steht somit älteren Songs wie bspw. blutgeil in nichts nach. Roth benutzt hier auch vermehrt sein Markenzeichen: Die Blutkehle. Interessant ist, dass Roth das Lied kurz nach der Beerdigung seines Vaters geschrieben hat. Wer sich die Lyrics anschaut, wird erkennen, dass diese eher Eisregen-untypisch sind. Tiefgründig aber nicht morbide schildert hier Roth eine eigene Art der Lebensauffassung. Ein schöner Song, speziell für Fans die sich mit dem neuen Sound nicht 100% anfreunden können.
    Nach dem etwas schnellerem Im Dornenwall folgt nun ein zunächst gemächliches Hauch von Räude. Laute Gitarren, abwechselnder cleaner Gesang und Shouten sowie viele Tempowechsel dominieren das Stück. Anschließend folgt 17 Kerzen am Dom, welches den Amoklauf von Erfurt im April 2002 thematisiert und beschreibt. Auffallend ist, dass hier mit dem Thema Gewalt völlig anders umgegangen wird, sie wird verurteilt und abgewertet, anstatt verherrlicht. Interessant ist auch die Stellungnahme von Roth zu diesem Song, in der er sich klar von "realer Gewalt" distanziert und diese als verabscheuungsswürdig deklariert. Musikalisch orientiert es sich am ehesten an am Glockenseil von der jetzt indiziertem Wundwasser. Ähnlich gemächlich wie Hauch von Räude gibt sich das Titellied Blutbahnen und auch Alphawolf ist gewohnte Eisregenkost. Der Titel Frischtot wurde von jemanden aus dem Fleischhaus.de Forum inspiriert, bietet aber sonst wenig neues.
    Schlachthausblues hingegen besticht durch die Geschichte und die Art der Erzählung. Auffallend ist hier besonders der Refrain, der durch das dominierende Bassdrum eine besondere Note erhält.
    Nach Schlachthaus-Blues geht es weiter mit einem Ausflug ins Jahr 1998; Zurück in die Kolonie setzt, wie man vom Titel erahnen kann, ein besonders erfolgreiches Lied aus der bösen, indizierten Krebskolonie thematisch fort (wenn schonmal jemand auf einem Eisregenkonzert war, wird wissen wie nach diesem Lied gekrischen wird). Leider hinkt es musikalisch etwas dem Vorbild hinterher - besonders auffallend ist hier das Fehlen von 2T. So bleibt auch hier die Innovation aus - leider.
    Den Abschluss bildet ein auf dem ersten Blick reines Fun-Lied, Schneuz den Kasper. Jedoch besticht es durch eine schöne Melodie und den typisch morbiden Stil von Eisregen.

    Abschließend bleibt zu sagen, dass Eisregen mit ihrem nunmehr sechstem Album ein solides, aber nicht innovatives Werk vollbracht haben. Richtig eingängige Kracher wie sie auf den letzten Alben zu finden waren fehlen hier leider. Ich bin schon mal gespannt wie lange das Album der BPJM standhält und hoffe, dass Eisregen sich bemüht einen würdigen Ersatz für 2T zu finden.


    Fazit: 7/10 Arrrrs!


    Ich bin dagegen. Was hab ich gerade gesagt? Was kümmert mich mein Geschwätz von eben! Ich bin dafür, ich sag "Ja"!

  12. #12
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    David Bowie - "Heroes"

    Yessah, eine Rezension von "Heroes" ist ungefähr so sinnvoll wie eine Eulenzucht in Athen, von daher: Here we go!



    Tracklist:
    1. Beauty And The Beast
    2. Joe The Lion
    3. Heroes
    4. Sons Of The Silent Age
    5. Blackout
    6. V-2 Schneider
    7. Sense Of Doubt
    8. Moss Garden
    9. Neukoln
    10. Secret Life Of Arabia, The

    Steigen wir ein: Bowie? Glamrock? Folkrock? Die allgemeinen Assoziationen sind eindeutig, haben allerdings wenig mit diesem Album zu tun und stimmen vorallem alle nicht. Was "Heroes" bietet, ist perfekter, paranoider, klotziger, treibender, elektrifizierter, kokaingetriebener Artrock. Bereits Beauty And The Beast macht klar, wo wir hinwollen: Scheiss auf Ziggy Stardust, scheiß auf Amerika, scheiß auf die Fans. Was Eno und Bowie auf Low angefangen haben, wird hier perfektioniert: Der Sound steht unter Hochspannung, kaum ein Element kommt unverzerrt oder unmoduliert daher. Panisch singt Bowie:
    »Nothing will corrupt us
    Nothing will compete
    Thank god heaven left us
    Standing on our feet«
    Und meint damit nichts anderes als genau das Gegenteil. Abkaufen würde man einem Vollzeitjunkie wie Bowie derartige Zeilen eh nicht.

    Es geht weiter, Joe The Lion packt uns gleich das volle Brett an Eno'scher Produktionskunst garniert mit Robert Fripps paranoider Gitarrenarbeit auf die Ohren; während Beauty And The Beast als Opener in der Hinsicht noch etwas zurückhaltend, ja fast dezent arrangiert war, gibt sich der Löwe keine Blöße. das panische Timbre in Davids Stimme ist unüberhörbar, nie haben sich Drogenkonsum und musikalische Genialität inniger verschlungen als in diesem Track.

    Es folgt "Heroes", welches im Tempo erstmal ein paar Gänge zurückschaltet und den Breitwandsound weiter verdichtet. Fripps Gitarre schwebt majestätisch über der Synthie/Rhythmusgitarrenwand, anemisch und derealisiert singt Bowie von der abstrakten Liebesgeschichte 2er, die durch die Mauer (erwähnte ich, dass "Heroes" in Berlin zum Höhepunkt des kalten Krieges aufgenommen und produziert wurde, das Studio quasi in Sichtweite der Mauer lag?) unfreiwillig getrennt wurden. Dieser Track lebt vorallem von der fetten Wand aus Sound, der minimalistischen Leadgitarre und dem so irgendwie überhaupt nicht reinpassenden Gesang. Besonders zusammen mit 'Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' betrachtet hat der Track schon eine gewisse kitschige Spannung, ob er dabei allerdings in Banalität abrutscht muss jeder Hörer für sich entscheiden.

    Es folgt Sons Of The Silent Age: Endlich mal das berüchtigte Bowie-Saxophon! Geil!
    Gesanglich wird irgendwas von vergangen Zeiten, von missverstandenen Generationen, von gebrochenen Kulturen gefaselt. Ist schon okay, wirklich verstanden habe ich es bis heute nicht; genial ist es dennoch, oder vielleicht gerade deswegen (»They never die, they just go to sleep one day« <- das kann garnicht schlecht sein).

    Nun, Blackout. Das Bassspiel ist hier besonders exzellent, so wie die ganze Platte über. Das ganze Ding lebt von Viscontis (oder wer auch immer das Ding gezupft hat) pentatonischem Rock 'N Roll-Bass; es lohnt sich einfach, mal nen Durchgang nur auf dieses Detail zu achten - es wird sicherlich einigen die Ohren öffnen.
    Aber wieder zu Blackout: Die Paranoidität erreicht ihren absoluten Höhepunkt, »Get me to the doctor!« spricht die missliche Lage unseres Heroes sogar direkt an. War es vielleicht doch zuviel Koks? Bowie bannt die gleiche Stimmung auf Vinyl, wie sie einige Jahre später in Scarface fast genauso grandios verfilmt wurde: Push it to the limit, walk along the razor's edge...
    Blackout ist der absolute Höhepunkt der durch und durch grandiosen A-Seite; weit hinter dem 'point of no return', geiler waren die 70er mit Ausnahme von Station To Station nie.

    So, Platte gewendet, es folgt die (fast) instrumentale B-Seite.
    V2-Schneider als grandioses, recht simpel gestricktes Instrumental (ja, es gibt auch spannende Instrumentalstücke ohne Takt- und Tempiwechsel!) besticht durch die elektrifizierte Rekreierung des dritten Reiches im handlichen 3-Minuten-Format. Das Saxophon drückt, die Vocoder schleppen, das Schlagzeug marschiert unbeeindruckt, wie in 'Preussens Gloria', durch Deutschlands düsteres Kapitel.
    Wenn man bedenkt, dass das ganze in Sichtweiter der Berliner Mauer aufgenommen wurde, dann bekommen solche Momente schon irgendwie einen gewissen Gänsehautfaktor.

    Nun kommen 3 bedrückende Instrumentale, auf die ich nicht näher eingehen will; Ich sage nur soviel, dass wer diesen in Ton gefassten 'Nicht-Höhepunkt' (Low lässt grüßen) durchsteht, schließlich mehr als dick belohnt wird.

    Das vorletzte Stück, The Secret Life Of Arabia, ist wiederum kein Instrumental. Auch kommt nicht die gewohnte gehetzte und nervös-brutale Stimmung der A-Seite auf (okay, vielleicht doch, ein ganz bischen ), sondern es herscht eine gewisse befreiende Stimmung vor (vorallem nach dem Instrumentalteil ist das Balsam für die Seele! Unbedingt dran denken, niemals das Instrumental hören, ohne mit The Secret Life abzuschließen; das ist Selbstfolter und Sinn und Zweck!).
    »I walk through a desert song when the heroine dies« ist schließlich der letzte von Bowie gesungene Text auf diesem Meisterwerk. Und ja, Bowie ging hiernach auf Entzug. Und ja, es sollte ihm lange lange garnichts mehr gelingen, seine Kreativität ging quasi mit den Drogen den Bach hinunter. Wie auf den BBS so schön geschrieben ist: Desert Songs bis weit in die 90er...

    Abschließend kann man sagen, dass "Heroes" einfach Davids beste ist. Soviel Energie und Progression konzentriert sind einmalig und können garnicht ausreichend beschrieben und gehuldigt werden.


    10/10? 11/10! This cut goes to eleven!
    [center]


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    Nick Sand

  13. #13
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    Sido - ich und meine Maske.




    1/10


    In den Genuss dieser wundervollen CD kam ich durch den Umstand, mir das Auto meiner Freundin ausgeliehen zu haben.

    Sido, welcher mir früher, vor seinen Mainstreamerfolgen, durchaus positiv aufgefallen ist, enttäuscht nun mit seinem neuen Albun in jeglicher Hinsicht.

    Die Skits wirken, setzt man sie Menschen ab mittleren zweistelligen Alter vor, dämlich und stellen ein zusätzliches Indiz dafür dar, dass die CD für selbige Zielgruppe wie Jamba Klingeltöne gemacht ist.

    Die Texte wirken befremdend und entstammen sicherlich aus der Feder eines Ghostwriters.

    Vor diesem Hintergrund sind die schlechten Beats dann auch nur noch nebensächlich.

    Alles nur meine Meinung, vielleicht gefällt einem von euch ja das Album...

  14. #14
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    Outlines - Our Lives Are Too Short
    Funk / Hiphop / Electronic / Soul



    Über den sampler "Nu Funk 2007" und den darin enthaltenen Track "Hold on" auf das junge, französische Trio aufmerksam geworden, glaubte ich nach einmaligem Hören des Albums den Toptrack schon vorher gekannt zu haben - weit gefehlt. Ein paar mal durchgehört, offenbaren sich auch die restlichen Stücke als wahre Perlen - überraschen stilistisch aber, hatte ich nach oben genannter Auskoppelung doch ein Funk-Album erwartet.

    Tracklist:
    1. Intro
    2. Show Me feat. Beat Assailant
    3. Our Lives Are Too Short
    4. Now That I'm Free feat. RZA
    5. Hold On
    6. Listen To The Drums
    7. Back To 1984 (interlude)
    8. Too Much To Ask feat. Abd al Malik
    9. Just A Lil' Lovin'
    10. Waiting In Line feat. Beat Assailant
    11. Matter Of Time
    12. Bounce
    13. How It Should Be Done
    14. Outro
    15. DJ Mehdi - Lucky Boy (Bonus-Track)


    Nach einem unauffälligen Intro geht es etwas hiphop-lastig mit "Show me" los. Der Track ist nicht gerade schnell, aber durchaus Clubtauglich. Nahtlos schließt sich das namensgebende "Out Lives Are Too Short" an, welches aber eher der Pop/Soul und Jazz-Ecke zuzuordnen ist. Mit "Now that I'm Free" folgt dann eines der Highlights der Platte. Mit kräftiger Unterstützung von Wutang-Clans RZA (Robert Diggs) wird hier eine derart befreite Stimmung erzeugt, wie sie besser nicht zu einer Cabriofahrt auf Kurviger Landstraße im Sommer passen könnte. Trotz RZAs Einlage wird daraus aber kein typischer Hiphop-Track.
    Zu oben erwähnter Nummer "Hold on" muss nicht viel geschrieben werden. Eine Funk/Pop-Nummer, die mit herrlicher Einfachheit daher kommt und einfach nur gefällt. Das nachfolgende "Listen to the Drums" kommt elektronisch und fast ausschließlich instrumental daher und erlaubt dem Höhrer dem Höhrer eine Verschnaufpause. Komplett ohne Gesang kommt der darauf folgende Track "Back to 1984" aus, mit elektronischem Funk-Sound. Weniger elektronisch, aber umso funkiger klingt das nachfolgende "Too much to Ask", ein großer Wurf. Insgesamt ist der Song eher ruhig und lässt zwischendurch Abd al Malik zu Wort - mit wohl klingendem französischem Rap.
    Vom Tempo her nahezu tanzbar ist dann "Just a lil' lovin'" mit gesampeltem Gesang. In "Waiting in line" findet man gut anzuhörenden Sprachgesang mit einer gewissen Gleichgültigkeit, die nicht langweilen möchte. Der befreiende sound von des nächsten Tracks lässt jeglichen Trennungsschmerz vergessen - alles ist schließlich nur "A Matter of Time". Das kurze, sehr jazzige "Bounce" mit Ambient sound, aber deutlichem Beat lässt den Höhrer einmal durchatmen, bevor es mit "How It Should Be Done" akzentuierter und rauher zugeht, man meint sogar harte E-Gitarrenanschläge herauszuhören, dazu wird gerappt und gesungen. Das "Outro" ist ein ruhiges Jazzstück und lässt das Album zufrieden stellend ausklingen.

    DJ Mehdis Bonustrack "Lucky Boy" mit Soul- aber auch Triphop-Elementen darf nicht vergessen werden - inhaltlich wird vermutlich einer Verflossenen nachgeweint, dies spiegelt sich auch sehr im Gesang wieder.

    Fazit:
    Obwohl schon 2007 erschienen, ist diese (Sommer-)Scheibe zu meiner bisherigen Top-Platte des noch jungen Jahres avanciert - und wird es wahrscheinlich noch eine Weile bleiben. Abwechslungsreich und durchgehend auf hohem Niveau wissen Outlines den Höhrer zu beschallen. Wer Funk und Electronic mag und auch keine Angst vor Hiphop/Rap hat wird "Our Lives Are Too Short" lieben.


    PS: Mein erstes Review hier. Vielleicht etwas zu unkritisch, aber der geile Sound des Albums war erst der Anlass, es hier überhaupt vorzustellen.

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