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  1. #1

    Rache, der Liebe wegen

    Rache, der Liebe wegen
    Geschrieben von mir


    Das Ende und der Anfang eines Kampfes
    Mar'Cellan blickte in die Abendsonne, die langsam wie ein fliegender Teppich über das Schlachtfeld zog. Das Stöhnen der Kämpfer war beinahe verklungen. Die wenigen Überlebenden, auf guter wie auf böser Seite, hatten sich zurückgezogen. Mar'Cellan war der einzige noch gebliebene Elf auf der vom Blut rot gefärbten Steppe.

    Am Fusse des Felsens, auf dem er stand, erblickte er ein noch pochendes Rachniaherz. Ein Flugdrache muss dessen Besitzer während des Kampfes in die Luft gehoben haben, während er mit seinen zweihundert scharfen Zähnen die Knochen des Opfers durchbrach. Armer Rachnia. Doch wenigstens wird es nicht gelitten haben. Diese dem Bären ähnlichen Wesen sind so stark, und doch so empfindsam gegenüber Schmerzen, dass einem jede der herumliechenden Leichen im Herzen weh tat.

    Ein Wind kam Mar'Cellan von Norden entgegen. Er schien eine Melodie darin zu hören. Eine Melodie, so süss wie der Zimtstrudel, den seine Grossmutter früher für ihn gemacht hatte. Zimtstrudel aus der Richtung des Feindes. Mar'Cellan liess sich nicht einfangen von der dunklen Sphäre der Todesorgie, von den vielen herumliegenden Körperteile, den zerfetzten Tieren und Lebewesen. Er hörte nur auf die Melodie. Und dachte ununterbrochen an seine Liebe: Nadianra.


    Liebe verband zwei Seelen
    Volkannacht nannte man sie, die schönste Nacht des Jahres im Niedenwald. Wo die Elfen ihre Freiheit von der Macht des Zauberers Iskans feierten, welcher sie vor Jahrtausenden beherrscht hatte. Jedes Jahr kamen von überall diese scheinbar zarten Wesen angereist, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und neue Geschichten auszutauschen. In den Gipfeln der Mammutbäume und an der berghohen Klippe des Ninsch leuchteten die Behausungen der Elfen fest hinaus, mit Magie beleuchtet, bereit, von den grössten aller Helden bestaunt zu werden. Nur der guten Helden, was jedem klar war. Dies war eine der ungeschriebenen Regeln im Elfendasein.

    210 Jahre jung war Mar'Cellan damals. Oder waren es 211? Nun, dies ist nicht so wichtig, und doch grübelte er oftmals darüber nach, wenn er an diesen Tag dachte. Die Nacht war hereingebrochen, und die Vögel sangen ihr den Elfen gewidmetes Lied im Chor. Mar'Cellan unterhielt sich gerade mit seinem damaligen Gefährten, dem Adler Trul, während er den Holzbrücken entlanglief, die die Mammutbäume miteinander verbanden.

    Auf einmal blieb er stehen. Er fühlte sich plötzlich benommen. Seine Sinne schienen von alleine zu wandeln, etwas zu suchen. Er spürte die Bewegungen um sich, ohne die Augen zu bewegen. Da kam etwas wundervolles von hinten auf ihn zu. Er spürte es, als ob er in die Richtung blicken würde. Hastig drehte er sich um, und wurde in diesem Augenblick von einer jungen Elfin angerempelt. Sie schien auf der Flucht zu sein. So sehr, dass sie ihre Augen mehr nach hinten als nach vorne gerichtet hielt. Mar'Cellan konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und stürzte. Die fremde Elfin fiel geradewegs auf ihn. Völlig verzaubert starrte er ihr in die Augen, als er wieder bei Sinnen war. Völlig verzaubert und lieb blickte sie ihm in die Augen...


    Rache
    Er hatte geschworen, sie, seine endlose Liebe, zu beschützen, wie er sie von den zwei diebischen Elfenjägern, die sich in wenigen Augenblicken auf den Boden und wieder in die Lüfte heben konnten, beschützt hatte. Er wollte sie auch heute beim Kampf beschützen. Mar'Cellan brach in Tränen aus. Tausende von Elfinnen waren zu der Schlacht gekommen. Kämpferinnen, Bogenschützen, Speerträgerinnen und viele mehr. Warum nur musste seine Nadianra die Folgen dieses unnützen Spektakels erleiden? Er hatte den Oger gesehen, der aus dem Wald mitten in die angreifende Elfenschar stürmte. Er wollte Nadianra zurückhalten. Doch er verfehlte seinen Griff, verfehlte ihre Schulter und blieb alleine stehen. Er schrie ihr zu, doch der Klang seiner Stimme verlor sich im Kampfgetümmel um sie herum.

    Niemals wieder wird er ihr in ihr süsses Gesicht sehen können. Niemals wieder würde er ihre vollen Brüste streicheln oder ihre zarte Stimme hören können. Mar'Cellan fiel auf die Knie. Welchen Sinn hatte das Leben noch, wenn einem der grösste Schatz dieser Welt von einem Oger zu Tode gebracht wurde?

    Er schwor Rache. Rache auf jeden Stinkenden Ork, auf jedes sabberne Skelett und auf jeden noch so grossen Schattendrachen. Doch Traurigkeit überkam ihn wie eine Flutwelle. Unendliche Traurigkeit.

    Immer und immer wieder sah Mar'Cellan diese Szene vor sich. Pfeile flitzten neben seinen Ohren vorbei. Er blieb einfach stehen. Pfeil um Pfeil bohrte sich in den Oger. Dieser holte zum letzten Schlag aus, bevor ihn ein Metallgeschoss mitten ins Herz traf. Nadianra galt dieser Schlag.

    Seine Welt brach innerhalb von einer Sekunde zusammen. Sah die Schlacht gegen die untoten Monster schon gewonnen aus, so verlor er sie nun in dieser Sekunde. Er hastete zu seiner Geliebten, hielt sie in seinem Arm. Die Geschosse der Katapulte waren im Lärmkampf mit den Schreien der schwarzen Kreaturen. Er fühlte nichts mehr um sich herum. Nadianra blickte ihn mit ihren grossen Augen an, gefüllt mit den traurigsten Tränen dieser Welt. Bevor sie zusammensackte bildete sie mit ihren Lippen die Worte, die sie sich während ihrer gemeinsamen Zeit so oft zugeflüstert hatten:

    „Trin Diam – Ich liebe Dich, Mar'Cellan...“
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  2. #2
    ^dem0n^
    Gast
    Die Reihenfolge der Geschehnisse wird nicht ganz klar, bzw. der logische Zusammenhang. Du fängst einigermaßen klar an, aber der dritte Teil ist vollkommen verworren und unverständlich.

    Es ist nebenbei gesagt mehr als unwahrscheinlich, dass eine Elfin in Todesangst auf der Flucht irgendjemanden "verzaubert und lieb" anschaut. Die Rettung ihres Lebens hat absolute Priorität in einer solchen Situation.

    Meiner Meinung nach ist durch die Überschrift auch der Rache-Aspekt etwas zu sehr aufgebauscht, da es darum im Endeffekt ja überhaupt nicht geht.

    Zum Sprachlichen: Du verwendest manchmal die falsche Zeit, desweiteren lässt man in prosaischen Texten Ausdrücke wie "anscheinend" weg. Und beispielsweise ist jedem klar, dass die "größten aller Helden" auch "gute Helden" sind. Ansonsten kleinere Rechtschreibfehler, das "ß" ist nicht abgeschafft!

    Die Idee ist gut, aber noch sehr ausbaufähig. Lass Dir mehr Zeit, Deine Geschichte zu erzählen, und erkläre ausführlicher. Achte ein bißchen mehr auf die Grammatik.

  3. #3
    [ROR]Kaisimilia
    Gast
    Was mir auch auffiel - Zimtstrudel und Schlachtfelder passen irgendwie nicht zusammen.

    Denk daran dass deine Leser visualisieren was sie lesen und mir kam das irgendwie spanisch vor.
    Auch diese "bei Oma" passt nicht - man sieht das Schlachtfeld und auf einmal mischen sich Bilder von meiner Oma da drunter.....

    Ehr immer naeher dran bleiben - der Geruch - Duft is mehr fuer ne Parfümerie - verbrannten Bäume und Katapulte oder sowas passt dann doch eher


    Ansonsten stellenweise echt gut.

  4. #4
    Benutzerbild von Saladbowl
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    Auf guter und böser Seite - klingt etwas naiv und erklärt nichts. Wer sind die Seiten? - würde den Einstieg erleichtern und ein klareres Bild schaffen.

    Zeiten fühlen sich manchmal falsch an. Würde da schon im Imperfekt bleiben.

    Zimtstrudel finde ich auch unpassend. Dann doch lieber wie der Duft der Räucherstäbchen (o.ä.) zwischen denen er oft bei seiner Großmutter gesessen und sich gebannt ihre Geschichten aus der Zeit vor dem nun für Jahrunderte andauernden Krieg zwischen [...] angehört hatte. (oder sowas)

    Auf einmal blieb er stehen. - will irgendwie nicht dorthin passen. Bis dahin beschreibst du sehr fließend und gut und auch wenn dadurch schon gut rüber kommt, dass abrubt etwas passiert fänd ich eine weniger schroffe Formulierung besser. In dem Abschnitt sind noch mehr Stellen, die irgendwie zu abgehackt wirken im vergleich zum sonsigen Fluss und die Magie der Erzählung in den Keller reißen "Da kam etwas wundervolles von hinten auf ihn zu." z.B.

    Naja, will das nicht so auseinander nehmen, aber du solltest vielleicht mal laut zu dir selber lesen und einfach vom klang her darauf achten wie es fließt und ob es dir so gefällt. Manche Formulierungen etc. klingen etwas naiv/stümperhaft, ließen sich aber eigentlich leicht verbessern. Lass es mal ne Weile liegen und schau es dir dann nochmal an, dann ist es sicher leichter diese Dinge zu sehen. Ich weis wie das ist...hab mich auch schon oft an diesen Dingen versucht und wenn man nach ner Weile zurückkehrt, dann fallen einem viele Dinge auf.

  5. #5
    ^dem0n^
    Gast
    Den Zimtstrudel, nun ja, nicht direkt "bei Oma", wir sind ja hier nicht in der Pudding-Werbung, fand ich eigentlich sehr gut. Er bildet einen Kontrast zu der Grausamkeit auf dem Schlachtfeld, und macht klar, dass sich an diesem Ort des Grauens noch etwas befindet, das größer ist als alle Greuel und das selbst im Schlachtgetümmel noch alles übertönt. Die Anwesenheit von Nadianra ist ihm zu jedem Zeitpunkt bewusst, was ihre Wichtigkeit hervorhebt. Bloß nicht weglassen!

  6. #6
    demon hat es richtig erfasst mit dem Zimtstrudel obwohl ich im nachhiein denke ich muss wohl auf Drogen gewesen sein um auf solche ine diee zu kommen Duftstäbchen klingen aber auch gut.

    das "ß" ist nicht abgeschafft!
    in der Schweiz schon


    Die böse Seite steht für alles dunkle, negative, schlechte und brutale in deren Welt. Die werden so genannt in dieser Welt und finde ich nicht naiv.


    Auf einmal blieb er stehen.
    Hier wird er von der Aura von Nadianra erfasst und sein normalerweise klarer Geist ist verschwommen und verwirrt. Es ist echte Liebe, die er fühlt
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  7. #7
    knisterwerk
    Gast
    Beim Zimtstrudel aus Richtung des Feindes mußte ich grinsen. Ansonsten ist der Satzbau sehr monoton, und die Sätze wirken wie lieblos aneinandergereiht, sind ohne Rhythmus, ohne Fluß und ohne Melodie. Der Punkt ist das Hackebeil unter den Satzzeichen, und ein Komma, ein Semikolon, ein Gedankenstrich, ein Doppelpunkt ist manchmal die bessere Wahl, mit der sich Dynamik in den Text bekommen läßt. Außerdem sind Adjektive oft unnötige Füllwörter, und sie sind die ersten, die ersatzlos gestrichen oder ersetzt werden sollten durch Substantive und Verben. Ein Beispiel, wie man es (hoffentlich) besser machen kann, folgt gleich.

    > Auf einmal blieb er stehen. Er fühlte sich plötzlich benommen. Seine Sinne
    > schienen von alleine zu wandeln, etwas zu suchen. Er spürte die
    > Bewegungen um sich, ohne die Augen zu bewegen. Da kam etwas
    > wundervolles von hinten auf ihn zu. Er spürte es, als ob er in die Richtung
    > blicken würde. Hastig drehte er sich um, und wurde in diesem Augenblick
    > von einer jungen Elfin angerempelt. Sie schien auf der Flucht zu sein. So
    > sehr, dass sie ihre Augen mehr nach hinten als nach vorne gerichtet hielt.
    > Mar'Cellan konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und stürzte. Die
    > fremde Elfin fiel geradewegs auf ihn. Völlig verzaubert starrte er ihr in die
    > Augen, als er wieder bei Sinnen war. Völlig verzaubert und lieb blickte sie
    > ihm in die Augen...

    Den Zusammenhang zwischen Spüren und Sehen verstehe ich nicht. Außerdem ist „Bewegung“ und „bewegen“ in einem Satz schlecht, und es sind zu viele Handlungen und Ereignisse auf einmal. Es ist völlig irrelevant, ob er die Augen nicht bewegt, wenn er spürt, und die Erwähnung dessen lenkt nur vom eigentlichen Geschehen ab, bremst es aus, obwohl es doch im Tempo geschehen sollte. Zudem spürt Mar'Cellan die Bewegung wie auch das Wundervolle von hinten – es reicht, wenn man es einmal erwähnt. Meine Spätnachts-Version:

    Er blieb plötzlich stehen, fühlte sich benommen, und seine Sinne schienen wie von allein zu wandeln, etwas zu suchen. Da näherte sich ihm von hinten etwas wundervolles – er spürte es deutlich, als würde er ihm entgegensehen. Noch während er sich hastig umdrehte, wurde er von einer jungen Elfin angerempelt, die auf der Flucht zu sein schien und ihre Blicke mehr nach hinten als nach vorne gerichtet hatte. Mar'Cellan stürzte zu Boden, die Elfin geradewegs auf ihn, und kaum wieder bei Sinnen, starrte er sie verzaubert an. Lieb und verzaubert blickte sie zurück.

  8. #8
    ^dem0n^
    Gast
    Auch bei Dir klingen Wortwiederholungen stilistisch unschön.

    Aber ich finde den fraglichen Absatz sowieso indiskutabel. Er ist unlogisch, unschön aufgebaut und klingt einfach total bescheuert.

    Vielleicht sollte man sich vorher erst einmal darüber klar werden, worüber man eigentlich schreiben will. Es gibt einige Leute, die einfach anfangen können zu schreiben, aber für Leute, die Talent mit Übung ausgleichen müssen, ist es erst einmal besser, eine Art Grundgerüst zu entwerfen. Selbst, wenn es sich um eine Fantasy-Geschichte handelt, dürfen logische Grundstrukturen nicht fehlen.

    Bevor man also auf sprachliche Feinheiten zu sprechen kommt, sollte man sich erst einmal damit beschäftigen.

    Du hast natürlich vollkommen recht, wenn Du die kurzen, abgehackten Sätze kritisiert, allerdings möchte ich Dir widersprechen, was die Adjektive angeht. Würde es sich um einen Sachtext handeln, hättest Du sicherlich recht, aber es handelt sich um einen kreativen, beschreibenden Text, und Adjektive sind in denselbigen wichtig, um das Geschehen besser vorstellbar zu gestalten.

    @ CorDharel: Da hast Du recht. Die Abschaffung des "ß" in der Schweiz hatte allerdings keine praktischen Gründe, sondern diente eher zur kulturellen Abgrenzung von Deutschland, was aus historischer Sicht völlig verständlich, aus germanistischer aber eine ziemliche Katastrophe ist.

  9. #9
    knisterwerk
    Gast
    > Auch bei Dir klingen Wortwiederholungen stilistisch unschön.
    Deine Kritik ist jedes mal unbrauchbar, da sie vielmehr eine in den Raum gestellte Behauptung ist. Wie wäre es, wenn Du benennst, was Du kritisierst? Welche Wortwiederholung?

    Und Du tust so, als seien Wortwiederholungen etwas unschönes. Sie sind es oft, aber nicht immer. Ständig den Ausdruck zu wechseln, ist etwas schlechtes, und Wiederholungen können Kraft geben. (Das bezieht sich nicht auf meine Beiträge – warum sollte es dort auch keine stilistisch häßlichen Wiederholungen geben?)

    > und Adjektive sind in denselbigen wichtig, um das Geschehen besser vorstellbar zu gestalten.
    Ich sagte nicht, daß sie unwichtig seien, sondern daß 2/3 von ihnen gestrichen werden kann. Substantive haben mehr Kraft und sind bildhafter, wenn sie richtig gewählt sind; und nur die Verben drücken aus, was geschieht. Hier sollte und darf man von Goethe und Thomas Mann abschauen. (Ich zähle nur die beiden auf, weil es bisher die einzigen sind, bei deren Werken ich darauf geachtet habe.)

    An dieser Stelle weise ich (mal wieder) auf Wolf Schneiders Stilkunden hin und zitiere ihn hier mit einem Satz: „Sie [die Adjektive] spreizen, blähen und verwischen, sie provozieren Doppeldeutigkeit und Widersinn, wattig legen sie sich auf schlanke Verben und pralle Substantive.“

  10. #10
    ^dem0n^
    Gast
    Tut mir leid, aber ich zeige nicht gerne mit dem Finger, sondern gehe davon aus, dass die Leute den Anlass meiner Kritik in ihrem Beitrag bemerken, wenn sie noch einmal konkret auf den von mir angesprochenen "Mangel" achten. Aber wenn es Dir anders lieber ist, bitte: In der von Dir verbesserten Version des fraglichen Absatzes wiederholst Du das Wort "verzaubert".
    Bitte versteh das nicht falsch, ich mache das nicht nur, weil ich ein unglaublicher Pedant bin. Ich habe bei Dir oft den Eindruck, dass Du Dich zu sehr darauf versteifst, einen schönen Text zu schreiben, und Dich in Kleinigkeiten verrennst. So verlierst Du den Gesamtüberblick, wodurch dann solche verkrampften Formulierungen und kleinere stilistische Unreinheiten einfach übersehen werden.

    Natürlich hast Du recht, wenn Du sagst, dass man nicht generell behaupten kann, dass Wortwiederholungen unschön sind, wenn man zum Beispiel an Anaphern oder Epiphern denkt, oder wenn ich mich an Arthur Millers "The Crucible" erinnere, das ich kürzlich gelesen habe, und das trotz (oder gerade wegen?) Wortwiederholungen eine sehr schöne und ausdrucksstarke Sprache vorweist ("And the wind, God's icy wind, will blow"). Aber so, wie sie hier zum Einsatz kommen, sprechen sie mich einfach nicht an.

    Was die Adjektive angeht, sind wir weiterhin unterschiedlicher Meinung: Wolf Schneider ist Experte für Sachtexte, vom kreativen Schreiben hat er meiner bescheidenen Meinung nach keinen blassen Schimmer. Es gibt einfach einen Unterschied zwischen journalistischer / informierender Schreibweise und literarischer. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, stilistische Normen für Geschäftsbriefe auf einen literarischen Text anzuwenden, oder andersherum, einen Geschäftsbrief mit rhetorischen Mitteln vollzustopfen. Ebenso absurd ist es doch, Wolf Schneider und Goethe bzw. Mann in einem Atemzug zu nennen.

    Abgesehen davon möchte ich anmerken, dass wir vom Genius Goethes oder Manns bei diesem nicht sehr erbauenden Stück Prosa, das wir hier vorliegen haben, weit entfernt sind, was natürlich nicht heißen soll, dass man nicht versuchen sollte, sich stilistisch an ihnen zu orientieren.

  11. #11
    knisterwerk
    Gast
    @^dem0n^:
    > Tut mir leid, aber ich zeige nicht gerne mit dem Finger, sondern gehe
    > davon aus, dass die Leute den Anlass meiner Kritik in ihrem Beitrag
    > bemerken, wenn sie noch einmal konkret auf den von mir
    > angesprochenen "Mangel" achten.

    Nein, Du wirfst einen Fetzen der Kritik in den Raum – vielleicht in der Hoffnung, daß jemand etwas damit anfangen kann, auf jeden Fall aber mit dem Ergebnis, daß Dir niemand entgegentreten, niemand erwidern kann und Du nicht erklären mußt.

    „Du sollst nicht mit nackten Fingern auf angezogene Leute zeigen“ ist ein Satz, den man als Kind lernt und an den mich Deine Aussage erinnert. Du zeigst aber auf Leute, indem Du die Kritik an sie richtest – nur ohne sie genau auszusprechen. So wird der Fetzen zum Knüppel, der zwischen die Beine des Gespräches geworfen wird; die Kritik wird zur Stolperfalle herabgestuft. Wenn Du schon auf Leute zeigst, dann sage doch wenigstens warum – und sage es nicht in Fetzen, sondern deutlich und klar. Ich zumindest kann es nicht leiden, wenn man mit dem Finger auf mich zeigt und mir nur Fetzen an den Kopf donnert.

    > In der von Dir verbesserten Version des fraglichen Absatzes
    > wiederholst Du das Wort "verzaubert".

    ... und das mit Absicht. Es drückt Zusammengehörig- und Gegenseitigkeit aus – es ist die perfekte Stelle für eine Wiederholung.

    > Bitte versteh das nicht falsch, ich mache das nicht nur, weil ich
    > ein unglaublicher Pedant bin.

    Warum sollte ich es falsch verstehen? Ich kann nur lernen, wenn man mich auf meine Fehler hinweist.

  12. #12
    ^dem0n^
    Gast
    Original geschrieben von knisterwerk
    > In der von Dir verbesserten Version des fraglichen Absatzes
    > wiederholst Du das Wort "verzaubert".

    ... und das mit Absicht. Es drückt Zusammengehörig- und Gegenseitigkeit aus – es ist die perfekte Stelle für eine Wiederholung.
    Wenn man es so betrachtet, finde ich es allerdings als Anapher wie in der Original-Version besser als bei Deiner Umformulierung.

    Original geschrieben von knisterwerk
    Warum sollte ich es falsch verstehen? Ich kann nur lernen, wenn man mich auf meine Fehler hinweist.
    Exakt das. Werde mir Deine Worte auch mal zu Herzen nehmen, vielen Dank.

  13. #13
    knisterwerk
    Gast
    Original geschrieben von ^dem0n^
    Wenn man es so betrachtet, finde ich es allerdings als Anapher wie in der Original-Version besser als bei Deiner Umformulierung.
    Was mich an meiner Version stört, ist das Adjektiv lieb. Ich hätte es beim Verfassen weggelassen, habe es aber so aus dem Original übernommen. Zufrieden war ich mit meiner Version daher nicht völlig, und nur, weil es ein Verbesserungsvorschlag ist, heißt es noch lange nicht, daß man ihn nicht wiederum verbessern kann. Im Original gefiel mir aber nicht, daß auch „in die Augen“ wiederholt wurde.

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